Akupunkt-Massage
nach Penzel am Pferd
Katja Hink Therapeutin für APM am Pferd,  Darmstadt / Rhein-Main
Für ein Pferd im Gleichgewicht

Gedanken aus dem Pferdealltag

Hier werde ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Dinge aufschreiben, die mir bei der Arbeit mit Pferden begegnen. Die mich nachdenklich machen oder einen "Aha-Effekt" auslösen. Vielleicht ist ja der eine oder andere Denkanstoß dabei. Viel Spaß beim Lesen. Und: Keine Angst, ich fasse mich kurz....


„Nein“

Instinktiv rufen wir Menschen „Nein“ oder „Nicht“ oder auch „lass das“, wenn irgendetwas geschieht, was in diesem Moment unerwünscht ist. Auch unseren Pferden gegenüber tun wir das gerne.  Und wundern uns,  wenn das Pferd weiter zappelt. Je verzweifelter wir Nein rufen, desto weniger wird das Pferd reagieren. Wir vergessen gerne, dass Pferde, so wie sie es auch untereinander tun, auf unsere Körperhaltung, Muskelspannung und Ausstrahlung reagieren. Was vermitteln wir wenn wir Nein rufen? Eigentlich nichts, womit ein Pferd etwas anfangen könnte. Wir möchten, dass das Pferd stehen bleibt und seinen Huf gibt. Was hindert uns daran, ihm genau dies zu sagen, die Bitte in Worte zu fassen und uns zu seinem Huf zu beugen? Tun wir genau das, ist uns die Aufmerksamkeit des Pferdes schnell sicher: „Aha, mein Mensch will was an meinen Hufen.“ Genauso ist es mit dem still stehen und vielen anderen Dingen. Es braucht manchmal ein bisschen Zeit, aber wenn man sich deutlich ausdrückt, dann wird da schon.

Dieses Anweisungen und Emotionen in Worte zu fassen hilft mir jeden Tag bei meinen Ponies. Egal, ob ich sie bitte, einen Schritt zur Seite zu treten, damit ich den Auslauf kehren kann oder wenn ich möchte, dass die Kleine langsamer geht – wenn ich mich klar äußere, dann können sie folgen.


Immer „müssen“ wir etwas tun

Das Wort „müssen“ verwenden wir so häufig, dass wir es schon gar nicht mehr merken. Ich „muss“ noch einkaufen, ich „muss“ noch arbeiten, noch dies, noch das, noch jenes. Leider wird es auch in Zusammenhang mit unserem Freizeitpartner Pferd gerne verwendet. Da „muss“ noch Futter gerichtet, geritten, die Box gemistet werden und vieles mehr. Doch dieses Wort löst in uns – unbemerkt - einen negativen Stress aus und der wiederum verändert unsere Energie und Ausstrahlung ins Negative. Und genau das ist dann die Botschaft, die wir dem Pferd vermitteln. Und dann wundern wir uns, warum das Pferd in der Reitbahn oder im Gelände nicht so entspannt ist, wie wir es gerne hätten. Wenn man spürt, dass man wieder in dieser „muss-Schleife“ feststeckt, dann sollte man sich besser fünf Minuten hinsetzen, durchatmen und sich überlegen, was ist jetzt wirklich ein „Muss“ und was ist eher ein Privileg: Ich darf jetzt reiten und mich um dieses Lebewesen kümmern. Schließlich ist es eine Freude, mit ihnen Zeit zu verbringen. Übrigens „müssen“ wir auch beim Reiten nichts. Wir dürfen vielmehr  alles, was uns und dem Pferd guttut. Aber das soll ein anderes Mal vertieft werden.



Fasst eure Pferde an!

Mein junges Pony lehrt mich immer wieder, wie wichtig es ist, sein Pferd anzufassen. Damit meine ich nicht, irgendwie streicheln, sondern bewusst mit den Händen den Pferdekörper abzustreichen und hinzufühlen: Sind Stellen heiß oder kalt, sind da kleine Schwellungen oder fühlt sich die Haut an wie Sandpapier, hart und schlecht durchblutet? Sind Gelenke geschwollen, gibt es kleine Wunden? Haben sich Gallen gebildet? Oder reagiert das Pferd gar unwillig auf die Berührung? Damit lassen sich „Baustellen“ schon erkennen, bevor sie zu wirklichen Problemen werden: Bei meiner Kleinen waren es zu Beginn ihrer Ausbildung die Schultern, die brettfest waren. So konnte ich daran arbeiten, sie zu lockern und beweglich zu machen. Noch ein Beispiel: Kleine Schwellungen in der Sattellage, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, deuten darauf hin, dass der Sattel eventuell sogar im Zusammenspiel mit dem Reitergewicht, nicht richtig sitzt. Wenn man sein Pferd bewusst anfasst, kann man das beheben, bevor das Pferd beim Satteln oder Reiten auffällig wird. Und noch ein kleiner Bonus: Dieser Moment der bewussten Berührung, den man dem Pferd und sich schenkt, verbessert auch die Beziehung zueinander.